Hintergrund

Der Tag der Arbeit: Warum ausgerechnet am 1. Mai?

 

Demonstrationen und Straßenfeste, Transparente und Wurstbuden, Trillerpfeifen und Bierstände. Der 1. Mai ist nicht wie andere Feiertage. Die einen gehen am „Tag der Arbeit“ für soziale Gerechtigkeit, bessere Arbeitsbedingungen, faire Löhne und Gehälter, mehr Mitbestimmung, Sicherheit und Zeit für die Familie und für einen flexiblem Renteneinstieg auf die Straße. Die anderen nutzen den arbeitsfreien Tag für Feste oder Ausflüge. Viele tun beides. Tatsächlich ist der 1. Mai in vielen Ländern von China bis Brasilien und von Russland bis in die Türkei ein gesetzlicher Feiertag.

Aber warum eigentlich ausgerechnet der 1. Mai? Wie kam es dazu?

Die Geschichte des Feiertages beginnt vor 126 Jahren, am 1. Mai 1886, mit einem Generalstreik und Massenprotesten in Chicago. Bei Massenprotesten für den 8-Stunden-Tag explodiert auf dem Heumarkt eine Bombe. Die Polizei schießt in die Menge. Es gibt viele Tote. Vier Anführer der Arbeiterproteste werden ohne rechtmäßigen Prozess hingerichtet.
Als Zeichen ihres Protestes und ihrer Verbundenheit rufen Gewerkschaften auf der ganzen Welt zu Solidaritätskundgebungen auf und erklären den 1. Mai zum „Tag der Arbeit“.

In Deutschland wird er nach der Novemberrevolution und dem Ende des Kaiserreiches 1919 zum gesetzlichen Feiertag erklärt, ein Jahr später aber gleich wieder abgeschafft. Für die Gewerkschaftsbewegung steht der Tag jedoch weiter im Zeichen des Kampfes für die Rechte der Arbeiter.

Vom Kampftag über den Propagandatag bis zum Tag der Arbeit

1929 eskaliert dieser Kampf im „Berliner Blutmai“. Angesichts der beginnenden Weltwirtschaftskrise ist die Lage angespannt. Die Stadt setzt das bereits seit 5 Jahren geltende Versammlungsverbot für den Tag mit Polizeigewalt durch. Mehr als 30 Menschen sterben.

Nach ihrer Machtergreifung wollen die Nazis 1933 die gewerkschaftlichen Maikundgebungen zunächst verbieten, entscheiden sich aber schließlich, den 1. Mai für sich zu beanspruchen. Sie erklären ihn zum „Tag der nationalen Arbeit“, um die noch immer starke Gewerkschaftsbewegung zu schwächen. Am Tag darauf werden Gewerkschaftshäuser in ganz Deutschland besetzt und führende Gewerkschafter verhaftet und ermordet. Die Freien Gewerkschaften werden aufgelöst und ihr Vermögen beschlagnahmt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bilden sich die Gewerkschaften neu. Der 1. Mai wird in der Bundesrepublik Deutschland wieder gesetzlicher Feiertag. Je nach Bundesland trägt er unterschiedliche Bezeichnungen. In der DDR wird er offiziell zum „Internationalen Kampf- und Feiertag der Werktätigen für Frieden und Sozialismus“ erklärt.

Bis heute wird der Tag von Gewerkschaften und anderen sozialen Bewegungen zum Anlass genommen, sich für eine gerechte Gesellschaft zu engagieren. Für eine Politik und eine Wirtschaft, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt.