Leiharbeit

Schluss mit dem Missbrauch

Viele Menschen hoffen, durch Leiharbeit wieder in ein festes Arbeitsverhältnis zu gelangen. Das gelingt nur wenigen und die Arbeitsbedingungen für in Leiharbeit Beschäftigte sind alles andere als gerecht.

 
Leiharbeit

Sie ist 40 Jahre alt, und sie hat zwei Seiten: die Leiharbeit. Eingeführt wurde sie 1972 als Möglichkeit, auf volle Auftragsbücher flexibel reagieren zu können. Die Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer kamen für eine beschränkte Zeit als zusätzliche Arbeitskräfte in die Betriebe. Deshalb konnte die Leiharbeit gerade in Unternehmen beziehungsweise Branchen mit kurzfristig steigenden Aufträgen so eingesetzt werden, dass alle etwas davon hatten. Häufig wurden die Leiharbeitskräfte nach dem Einsatz sogar in die Stammbelegschaft übernommen. So viel zur guten Seite.

Bequem und unverbindlich

Für die meisten Arbeitgeber ist Leiharbeit allerdings längst keine vorübergehende Lösung mehr, sondern ein Dauerzustand. Sie ist zu einem personalpolitischen Instrument geworden, das auf dem Rücken der Beschäftigten die Kosten senkt. Statt reguläre Arbeitsplätze zu schaffen, setzen Arbeitgeber aggressiv auf Leiharbeit und wollen damit Beschäftigte erster, zweiter und dritter Klasse schaffen.

Viele Menschen möchten raus aus der Leiharbeit

Viele Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer leiden unter dieser Situation. Sie haben zu dieser Beschäftigungsform meist keine Alternative und der Wunsch nach einer Festanstellung geht nur selten in Erfüllung. Es kostet sie viel Kraft, sich ständig auf neue Unternehmen und Arbeitsabläufe einzustellen, und nie zu wissen, wie lange sie noch bleiben können. Jeder achte Leiharbeitsbeschäftigte muss zusätzlich Hartz IV beantragen, weil der Verdienst nicht zum Leben reicht.

Tarifverträge helfen

Das kann nicht so bleiben. Die Entgelte in der Leiharbeit müssen deutlich erhöht und die Arbeitsbedingungen verbessert werden. In den Betrieben machen wir deshalb gemeinsam mit unseren Mitgliedern und Betriebsräten Druck und fordern Besser-Vereinbarungen. Und mit den Arbeitgebern verhandeln wir Tarifverträge zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen. Überall dort, wo Leiharbeit nicht verhindert werden kann, muss sie fair gestaltet werden. Wir müssen ausufernde Leiharbeit begrenzen und dafür sorgen, dass durch dieses Instrument keine Tarifverträge unterlaufen werden.

Politik ist gefordert

Seit ihrer Einführung im Jahr 1972 ist Leiharbeit gesetzlich geregelt und streng begrenzt gewesen. Doch 2004 wurden fast alle Beschränkungen aufgehoben. Es wurde sehr einfach, dieses Instrument zu missbrauchen. Und sehr schwer, sich dagegen zu wehren. Politik setzt die Rahmenbedingungen. Sie ist dafür verantwortlich, dass Beschäftigte in Leiharbeit in Deutschland derart ausgebeutet werden. Deshalb ist es die Aufgabe der Politik, diesem Missbrauch einen Riegel vorzuschieben. Damit sie das schnell tut, erhöhen wir als IG Metall mit unseren Mitgliedern den Druck und haben den Skandal erfolgreich in die Öffentlichkeit getragen.

Wenn, dann fair

Wir haben das Thema Leiharbeit mit unserer Kampagne zu einem öffentlichen Thema gemacht. Betriebsräte und Belegschaften in vielen Betrieben haben Besser-Vereinbarungen durchgesetzt, die den Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmern mehr Geld und gerechtere Arbeitsbedingungen gebracht haben. In einigen Tarifverträgen konnten wir positive Regelungen für Beschäftigte in Leiharbeit erreichen – noch ist der Missbrauch von Leiharbeit allerdings nicht abgestellt.

Auch in Zukunft brauchen wir viel Kraft, Engagement und Unterstützung, insbesondere durch viele Mitglieder – auch unter den Leiharbeitsbeschäftigten. Gemeinsam können wir viel erreichen.